Magazin Duft 2

[ Thema Ungewöhnliche Düfte - Faszination auf den zweiten Blick

Parfums sollen gefallen, sollen der Nase schmeicheln. Düfte zum Anschmiegen, zum Träumen, zum Verlieben...  Wir erwarten Blütenaromen, weiche Akkorde und einschmeichelnde Aromen. Und dann sind da diese Düfte, die beim ersten Riechen erschrecken, aufwecken, ja manchmal sogar abstossen und doch faszinieren sie, lassen einen nicht los und man kehrt immer wieder zu ihnen zurück. Gerade diese nicht so leicht zugänglichen Parfums werden häufig zu besonderen Favoriten.

 

In dieser Ausgabe des Sündhaft Magazins stellen wir einige unserer besonderen "Kandidaten" vor. Düfte, die uns zuerst fremd waren und zu denen wir unsere Liebe erst auf den zweiten Blick erkannt haben.

 

Bildquelle: Jan Hoyer


[ CB I hate Perfume - Black March

CB Magazine 4

Erde, Knospen eines Baums und Regen als Parfum? Ist das tragbar oder nur die verschrobene Idee eines Parfumeurs auf der Suche nach seinen Kindheitserinnerungen? Wieder so ein Konzept, das in Theorie fasziniert in der Praxis aber entäuscht?

 

Das waren unsere ersten Gedanken als wir über den Duft Black March von Christopher Brosius lasen. Und dann die Überraschung: Nach dem Aufsprühen ersteht vor dem geistigen Auge ein frisch gepflügtes Feld im Frühling, feiner Regen, der Wachstum bringt und die ersten Blüten an den sonst noch kargen Bäumen. Meine Kindheit auf dem Land war sofort wieder präsent und ich war mit einem Mal nicht mehr in unserem Geschäft in der Stadt. Ab sofort kann ich, wann ich auch immer will, einen Teil meiner Kindheit in mir wachrufen und auf meiner Haut tragen. Ist es nicht das, was ein gutes Parfum ausmacht?

 

Das Faszinierende an Christopher Brosius Düften ist die Eigenschaft universelle Erinnerungen zu erwecken. Wie kann es sein, dass seine Erinnerung an ein frisch gepflügtes Feld im amerikanischen Frühling, meiner Erinnerung eines gepflügten Feldes in Deutschland so ähnlich ist? Das ist die wahre Kunst der Parfumeurs...

 

Bildquelle: Jan Hoyer, ©iStockphoto.com, Christopher Brosius

Frisch gepflügte Erde als Duft? Aber ja!

CB Magazine 4
CB Magazin 1
CB Magazine 5
CB Magazin 3
CB Magazin 2
Aftelier Magazin 1

[ Aftelier Shiso - ein historisches Geisha Parfum

In Japan wurde wie in vielen asiatischenLändern traditionell eher die Bekleidung oder die Umgebung mit Räucherwerk beduftet als der Körper. Bei den Geishas, als Unterhalterinnen, Musikerinnen und Tänzerin wurde auch der Körper in Vorbereitung für die abendliche Unterhaltung parfümiert.

 

Afteliers Shiso basiert auf einer uralten japanischen Rezeptur und mutet für moderne, europäische Nasen befremdlich an: Shiso, eine Art von Minze, kombiniert mit den animalischen, fast brutalen Noten des Adlerholzes und der scharfen Würze der Gewürznelke. Kann so ein Duft attraktiv sein, die Weiblichkeit unterstreichen? Erstaunlicherweise entwickelt sich das Eau de Parfum Shiso auf der Haut zu einem wunderbar harmonischen Duft mit tiefen weichen Holznoten, die von den grünen Noten des Shiso und der Gewürznelke perfekt ergänzt werden.

 

Bildquelle: ©iStockphoto.com


Slumberhouse Magazin 3

[ Slumberhouse Vikt - Metallische Öle und Harze

Zäh dahintropfende Harze, schwere, schwarze Öle mit metallischen Noten und exotische Hölzer durchsetzt von animalischen Aromen, das ist Vikt von Slumberhouse.

 

Tragbar? Schwer vorstellbar und sicherlich nicht für jeden. Wir lieben schwere Düfte aber Vikt war auch für uns eine Herausforderung. Wie soll ein solches Parfum sich entwickeln, kann man es tragen ohne die Umwelt zu provozieren? Die Antwort ist ein definitves "Ja", denn dieser Duft zeigt das Können des Parfumeurs Josh, dem Kreateur der Slumberhouse Düfte. Anfänglich wird man fast von den medizinisch anmutenden Akkorden des Ouds, einer verbrannt riechenden Note, erinnernd an kalte Holzkohle und einer undefinierbaren Animalität erschlagen. Die Nase ist überwältigt und dann passiert das Wunder: Vikt entfaltet eine weiche, betörende Wärme, eine süße Sanftheit, welche die Sinne nicht loslässt sondern nach mehr, viel mehr verlangt.


Bildquelle: Slumberhouse, Jan Hoyer, ©iStockphoto.com

[ Hilde Soliani - SAaliiiSssiiMO

Hilde Soliani Magazin 5

Salzige Lakritze in seiner stärksten Form, keine leichte Brise oder eine Anspielung auf die Süßholzwurzel. Lakritze und Salz pur! Das ist alles, was man wahrnimmt, wenn Hilde Solianis SAallisssiiMo auf die Haut trifft. Kein Saffran und kein Reis sind wahrzunehmen, nur das salzige, leicht beissende Aroma der Süßholzwurzel. Beinahe möchte ich den Duft abwaschen und ihn auf ewig verbannen. Dann passiert es ganz subtil: die Lakritze wird weicher, verbindet sich mit der Hautchemie. Ein leicht pudrige Reisnote verströmt Weichheit und Saffran verleiht eine würzige Wärme. Und doch erscheint über allem das salzige Aroma der Lakritze immer wieder, vereint den Duft, macht ihn unverwechselbar.

 

Hilde Soliani versteht es wie keine andere Parfumeurin Aromen, die wir mit Kochen assoziieren in ihre Düfte zu integrieren. Mit nur wenigen Ingredienzien kreiert sie Duftkunstwerke, die ihre Inspiration der italienischen Küche Parmas, ihrer Heimatstadt entnehmen. Vanille, Reis, Saffran, Früchte, Tabak, Tee, Algen, Schokolade, Ingwer, Gewürze und Lakritz sind ihre Werkzeuge. Ihre Kreationen lässt sie in alten Eichenfässern reifen, manche fast ein Jahr lang. Das Resultat ist eine Reihe von außergewöhnlichen, prägnanten Parfums, die ihresgleichen suchen.

 

Bildquelle: Jan Hoyer, ©iStockphoto.com

Lakritz, Safran & Reis in einem Parfum?

Hilde Soliani Magazin 5
Hilde Soliani Magazin 6
Hilde Soliani Magazin 2
Hilde Soliani Magazin 4
Hilde Soliani Magazin 3